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Interview aktuell

„Konfetti“
Gruppe für Kinder und Jugendliche von krebserkrankten Eltern in Sankt Augustin

Heidi Klöckener, Konfetti

Heidi Klöckeners Tochter war 14 als ihre Mutter vor vier Jahren an Brustkrebs erkrankte. Sie suchte für ihre Tochter eine Möglichkeit, sich mit anderen Jugendlichen in der gleichen Situation auszutauschen. Doch entsprechende Angebote gab es nicht.
Die Idee für die Kinder- und Jugendgruppe „Konfetti“ in Sankt Augustin war geboren.

Selbsthilfe-Kontaktstelle:
Mit welchen Problemen haben Kinder zu kämpfen, deren Eltern an Krebs erkrankt sind?

Heidi Klöckener:
Es beginnt mit den Schuldgefühlen der Kinder. Außerdem wissen sie nicht richtig, was eigentlich los ist. Das ist ganz schwierig auszuhalten.
Wenn die Eltern in der Chemotherapie sind, so dass die Erkrankung für die Außenwelt sichtbar ist, wird auch Isolation zu einer großen Schwierigkeit.

Selbsthilfe-Kontaktstelle:
Sie hatten mit Ihrer eigenen Krebserkrankung zu tun. Wann kam Ihnen - trotz der eigenen Betroffenheit - die Idee, ein Projekt für Kinder zu starten?

Heidi Klöckener:
Ganz am Anfang ist man erstmal in einem Therapiekarussell gefangen. Man hat ganz viele Termine - für die Chemo, für die OPs - und dann fällt man in ein Therapieloch.
Ich habe in dieser fortgeschrittenen Phase darüber nachgedacht, was ich mit meinem Leben noch anfangen möchte und da wurde die Idee von „Konfetti“ geboren.
 
Selbsthilfe-Kontaktstelle:
Wie haben Sie sich darauf vorbereitet? Haben Sie einfach angefangen?

Heidi Klöckener:
Ich habe mir schon die Frage gestellt: kann ich das überhaupt leisten? Das ist ja eine sehr anspruchsvolle Aufgabe. Ich habe Fortbildungen besucht und dann festgestellt, dass ich ja eigene Erfahrungen habe, auf die ich zurückgreifen kann.
Wenn ich allerdings merke, dass ein Fachmann gefragt ist, ein Psychologe, dann verweise ich natürlich auch weiter.

Selbsthilfe-Kontaktstelle:
Was machen Sie in der Gruppe?

Heidi Klöckener:
Das ist immer unterschiedlich. Ich schaue, was die Kinder gerade brauchen oder die Kinder schlagen auch etwas vor. Wir basteln, wir malen, wir machen Musik gemeinsam.
Ich plane zusammen mit den Kindern einmal im Monat vor.
Und einmal im Jahr gibt es einen Ausflug, zum Beispiel zu einem Imker. Damit stärken wir den Zusammenhalt. Wir verbringen einfach ein paar schöne, unbeschwerte Stunden miteinander.
 
Selbsthilfe-Kontaktstelle:
Das heißt, das Thema Krebs steht gar nicht immer so im Mittelpunkt.

Heidi Klöckener:
Genau. Ich mache immer eine Stunde Programm wie spielen oder basteln. Dann gibt es eine Frühstückspause. In dieser Pause findet dann meistens ein Gespräch unter den Kindern statt, die Gesprächsbedarf haben. Die haben ein ganz sicheres Gefühl zu sagen: „Jetzt reicht es mir!“ Dann ist das auch in Ordnung.

Selbsthilfe-Kontaktstelle:
Gehen die Kinder gestärkt aus der Gruppe? Was haben Sie für Erfahrungen gemacht?

Heidi Klöckener:
Ja! Schon alleine das Gefühl, dass man nicht alleine ist in dieser Situation, dass es anderen Kindern auch so ergeht, das stärkt schon sehr das Selbstwertgefühl der Kinder.

Selbsthilfe-Kontaktstelle:
Wie läuft der Erstkontakt ab?

Heidi Klöckener:
Ich gehe in die Familien, wenn das gewünscht ist. Oder wir treffen uns an einem ganz neutralen Ort, so dass die Kinder mich auch schon mal kennen. Ich erzähle etwas über die Gruppe und meine Arbeit und merke dann auch ganz schnell, wo das Kind gerade steht.
Auch für die Eltern bin ich Ansprechpartnerin, wenn zum Beispiel Fragen bei der Diagnosemitteilung auftauchen.

Selbsthilfe-Kontaktstelle:
Wie lange bleiben die Kinder in der Gruppe? Was haben Sie für Erfahrungen gemacht?

Heidi Klöckener:
Manchmal kommen die Kinder nicht mehr wieder, weil das Angebot nicht gepasst hat. Dann passiert es natürlich auch, dass ein Elternteil verstirbt. Dann gehen die Kinder in die Trauergruppe, wo ich dann auch etwas Trauerarbeit vorab leiste, indem wir ein zum Beispiel ein Erinnerungsbuch gestalten. Der ganz positive Fall ist natürlich, dass die Therapien abgeschlossen sind und die Familie erstmal Ruhe haben möchte.


Wer als Betroffene oder Betroffener Interesse an dem Projekt hat und seine Kinder (ab acht Jahren) einmal im Monat in diesen Gesprächskreis in den Club, Markt 1, in Sankt Augustin bringen möchte, kann sich an Heidi Klöckener wenden.
 
Eine vorherige Anmeldung ist erforderlich!

Mobiltelefon: 0176 / 72 59 85 13
Telefon: 02241 / 16 92 567
E-Mail: heidemarie.kloeckener@web.de
Die Gruppe trifft sich


Der Verein "Leben mit Krebs – Hilfe für Betroffene im Rhein-Sieg-Kreis e.V."
ist eine Psychosoziale Krebsberatungsstelle mit vielfältigen Angeboten u.a. auch offenen Selbsthilfegruppen/Gesprächskreisen, darunter ein Gesprächskreis nur für Männer.
Weitere Informationen zu „Leben mit Krebs e.V.“ finden Sie hier: www.lebenmitkrebs-rsk.de

 

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