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Interview

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Sucht-Selbsthilfegruppe in Siegburg: Blaues Kreuz in der Evangelischen Kirche „Zurück ins Leben“
11/2017

Peter Welge, Leiter der Selbsthilfegruppe Blaues Kreuz in der Evangelischen Kirche Siegburg „Zurück ins Leben“

Peter Welges Suchtgeschichte begann, als er während seine Scheidung (2005 bis 2007) zunächst nur ab und an ein bis zwei Gläser Wein trank. Im Laufe der Zeit wurden es dann zwei bis drei Flaschen täglich. Er wurde zum Pegeltrinker, der jeden Tag sein Quantum brauchte, um zu funktionieren.
Die Notbremse zog Peter Welge, als er nachts die Weinreste im Kühlschrank auch noch wegtrank. Der Kontrollverlust erschreckte ihn so sehr, dass er seinen Nachbarn bat, ihn in die LVR-Klinik Bonn zu fahren. Nach drei harten Wochen in der Entgiftung entschloss er sich zu einer Langzeittherapie. Über einen Monat blieb er schließlich in einer Privatklinik, die er sich glücklicherweise leisten konnte - dieses Glück hat nicht jeder…
Seit über vier Jahren ist Peter Welge nun trocken. Geheilt ist er allerdings nie. Er trifft jeden Tag aufs Neue die Entscheidung für das Leben und gegen den Alkohol.
Unterstützung findet er dabei in der Selbsthilfegruppe „Zurück ins Leben“ in Siegburg, die er seit gut zwei Jahren leitet.

Selbsthilfe-Kontaktstelle:
Warum ist Sucht eine Krankheit?

Peter Welge:
Wenn man Alkohol trinkt, dann muss es nicht direkt eine Sucht sein. Erst dann, wenn man ein gewisses Maß überschreitet, kommt es zum Kontrollverlust und wird zur Sucht. Eine Krankheit ist Alkoholsucht auf jeden Fall, weil sie nicht nur den Körper schädigt. Es treten sowohl physische Schäden als auch psychische Schäden auf.

Selbsthilfe-Kontaktstelle:
Wie sind Sie zur Selbsthilfe gekommen? War das der logische Schritt nach der Therapie?

Peter Welge:
Ich bin zunächst zur Nachsorge bei der Diakonie gegangen. Der Leiter hat mich gefragt: „Was hältst du denn von einer Selbsthilfegruppe? Das macht Sinn!“. Das hatte ich mir auch schon überlegt und bin dann zur Selbsthilfegruppe nach Siegburg gegangen und kurz darauf bin ich zum Leiter der Gruppe gewählt worden.

Selbsthilfe-Kontaktstelle:
Mit welchen Süchten kommen die Teilnehmer Ihrer Gruppe zu Ihnen?

Peter Welge:
Unser Schwerpunkt liegt auf Alkohol, aber auch auf Drogen und Medikamenten. Wir würden auch Spielsucht mit betreuen, denn ich war an acht Wochenenden auf einer Fortbildung „Basiswissen Sucht“. Wir würden also auch Spielsüchtige aufnehmen. Denn Sucht ist Sucht, es steckt immer das gleiche Prinzip dahinter.

Selbsthilfe-Kontaktstelle:
Was passiert in einer Gruppenstunde?

Peter Welge:
Wir haben zuerst eine Befindlichkeitsrunde. Jeder erzählt dann, ob er noch trocken ist – wovon wir ausgehen – dann erzählt jeder aus dem persönlichen Bereich, was so passiert ist. Wir reden also nicht nur über unsere Sucht! Im Anschluss diskutieren und besprechen wir ein Thema, das sich aus der Befindlichkeitsrunde ergeben hat. Wir versuchen so, jedem Teilnehmer zu helfen.

Selbsthilfe-Kontaktstelle:
Warum ist es wichtig sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen?

Peter Welge:
Man ist ständig mit Menschen zusammen, die auch betroffen sind, die das kennen, was man durchlebt hat. Das hilft jedem Einzelnen, wenn man mit anderen Betroffenen darüber spricht. In den Lebensgeschichten der anderen findet man sich in ähnlicher Form wieder. Das gehört zur Selbsthilfe.
Wir helfen aber auch bei der Lösung von Alltagsproblemen.


Die Selbsthilfegruppe „Zurück ins Leben“ des Blauen Kreuzes in der Evangelischen Kirche trifft sich alle zwei Wochen donnerstags in der Zeit von 18.30 bis 20.00 Uhr in der Auferstehungskirche Siegburg, Annostraße 14, 53721 Siegburg .
Nähere Informationen zum nächsten Treffen bei Peter Welge: unter 0160 46 26 110 oder pw5949@t-online.de oder über die Selbsthilfe-Kontaktstelle: 02241 94 99 99.
Betroffene sind jederzeit herzlich willkommen!

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Selbsthilfegruppe in Hennef: Angehörige von psychisch kranken Menschen
09/2017

 

Stefan Körber, Gruppenleiter der Selbsthilfegruppe für Angehörige von psychisch kranken Menschen

Die Dinge nicht immer vom Problem aus angehen, das ist die Herangehensweise von Stefan Körber, der seit gut einem Jahr die Selbsthilfegruppe für Angehörige von psychisch kranken Menschen in Hennef leitet. Deshalb war – angeleitet von einer Referentin – Lachyoga das Thema bei einem der letzten Treffen. Stefan Körbers Frau leidet seit über 15 Jahren an Depressionen, mal mehr mal weniger. Dabei sind der Herbst und Winter erfahrungsgemäß die herausfordernden Jahreszeiten, weil die Aktivitäten draußen weniger werden.
Beim Leben mit Betroffenen müssen die Angehörigen lernen, sich selbst zu schützen.

Selbsthilfe-Kontaktstelle:
Sie können und wollen sicherlich nicht immer mitleiden. Wie schaffen Sie es, sich abzugrenzen?

Stefan Körber:
Das ist schwer. Es ist jeden Tag ein kleiner Kampf, aufzupassen, wie weit man geht, aufzupassen, wann man anfängt, selbst zu therapieren. Das ist schon schwierig, da muss man sehr auf der Hut sein.

Selbsthilfe-Kontaktstelle:
Wie kann eine Selbsthilfegruppe da helfen?

Stefan Körber:
Die Erfahrungen, die man untereinander austauscht, helfen weiter. Je größer die Gruppe ist, desto eher kann man auf Menschen treffen, die in ähnlichen Situationen sind. Wir haben Eltern, wo die Kinder betroffen sind und es wäre gut, wenn wir noch mehr Ehepaare erreichen würden, bei denen ein Partner betroffen ist.

Selbsthilfe-Kontaktstelle:
Welche Pläne hat Ihre Gruppe für die Zukunft?

Stefan Körber:
Unsere Gruppe ist ja eine Angehörigengruppe. Wir informieren zwar über die Krankheiten, über Behandlungsmöglichkeiten und Erleichterungen, die Angehörigen sollten aber einen Fokus darauf haben, sich selbst zu schützen. Sie sollten darauf achten, dass sie nicht aus dem Gleichgewicht kommen. Als Angehöriger muss man aufpassen, nicht selbst zu therapieren, nicht zu viel zu übernehmen, das gerät ganz schnell in Vergessenheit.

Die Selbsthilfegruppe für Angehörige von psychisch kranken Menschen besteht seit 2015. Die Gruppe trifft sich jeden vierten Mittwoch im Monat in Hennef und freut sich über neue Mitglieder.
Nehmen Sie Kontakt auf!
angehoerige-depression-hennef.jimdo.com, selbsthilfehennef@gmail.com,
Tel.: 01578 / 15 25 665

 

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